Soja – Superfood oder Megagift?

SojabohnenSeit vielen Jahren war und ist Soja DAS Nahrungsmittel in der Veganer- und Vegetarierszene. Egal ob pur als Bohne, in Form von Tofu oder einfach als Sojadrink. In kaum einem fleisch-und tierfreiem Haushalt ist Soja wegzudenken und auch die Nahrungsmittelindustrie hat Soja für sich als Umsatzquelle entdeckt: Viele Fertig- und Halbfertigprodukte auf Sojabasis füllen die Regale der Supermärkte. Auch es gibt Säuglings-Ersatznahrung auf Basis dieser Bohne für all die Babys und Kleinkinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht von Ihren Müttern gestillt werden können und keine Kuhmilchprodukte zu sich nehmen können, wollen oder sollen.

Anfangs war Soja das Superfood schlechthin, doch seit einigen Jahren rückt die ursprünglich aus asienstammende Bohne immer mehr in ein schlechtes Licht.

So hat die amerikanische „Food and Drug Administration (FDA)“ Soja als giftige Pflanze eingestuft. Der Gründe für diese Einstufung liegen unter anderem an dem hohen Gehalt von Goitrogene, Phythoestrogene (auch Phytoöstrogene genannt) und der Phytinsäure. Goitrogene können Schäden an der Schilddrüse verursachen. Phythoestrogene können in hohen Dosierungen zu Schilddrüsen-und Brustkrebs und auch zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Kinder, die mit Soja-Babymilch ernährt wurden, kommen früher in die Pubertät und die Mädchen daher auch früher in die Menopause. Diese Soja-Babymilch enthält im Durchschnitt so viele Hormone wie fünf Antibabypillen. Phytinsäure verschlechtert die Aufnahme von Magnesium, Kupfer, Eisen sowie Zink. Was bei hoher Zufuhr dazu führen kann, dass trotz einer guten Vitalstoffaufnahme der Körper in einen Mangelzustand kommt. Bei Kindern kann die Aufnahme von Phytinsäure unter anderen zu Wachstumsproblemen führen.

Was viele ebenfalls nicht wissen ist, dass Soja beim Kochen Glutamat produziert. Dieses wiederum wird in Verbindung gebracht mit Schäden am Nervensystem, dem Hormonsystem und auch den Fortpflanzungsorganen.

Tierversuchsstudien haben ergeben, dass es (bei Affen) zu schweren Verhaltensstörungen kommen kann. Die Versuchstiere sind zum Teil hochgradig aggressiv geworden und/oder haben sich komplett von Ihren Artgenossen zurückgezogen. Auch war eine erhöhte Aktivität/Hyperaktivität an den Versuchstieren zu beobachten. Andere Studien an Tieren ergaben eine Störung bei den Sexualhormonen, Schädigungen an der Thymusdrüse und eine allgemeine Schwächung des Immunsystems. Weitere Untersuchungen an Menschen legen nahe, dass der Verzehr von Soja mit der Entwicklung von Unfruchtbarkeit, Alzheimer, Demenz und Diabetes in Zusammenhang gebracht werden kann.

Was man bei diesen vielen negativen Ergebnissen jedoch beachten sollte ist die Tatsache, dass in allen Studien Soja oder zum Teil nur bestimmte Bestandteile der Pflanze in unnatürlich hohen Mengen gefüttert beziehungsweise verabreicht wurde. Daher ist auch der Gehalt an den oben genannten Stoffen deutlich höher als es in einer normalen durchschnittlichen Ernährung der Fall wäre. Auch kommt hinzu, dass einige der hier zitierten Studien schon einige Jahre alt sind und zum Teil von neueren Studien, die jedoch nicht so öffentlich diskutiert werden wiederlegt wurden. So haben beispielsweise die Hersteller der Baby-Nahrung auf Soja-Basis ihre Produkte hinsichtlich des Hormongehaltes verändert. Was auch nicht erwähnt wird in dem Zusammenhang mit Babyersatznahrung, dass auch Produkte welche auf Kuhmilch basieren weibliche Hormone in hoher Menge enthalten. Schließlich stammt die Milch von einem Tier welches nahezu Dauerschwanger ist und seine Milch nur deshalb abgeben kann, weil es sich in der Stillzeit befindet.

Ein weiterer in der Öffentlichkeit diskutierte Punkt ist die genetisch veränderte Sojabohne. Knapp 60% der Welt-Soja-Produkte sind genetisch manipuliert, in Argentinien sind es nahezu 100% und in den USA knapp 85%. Da der deutsche Verbraucher genmanipulierte Lebensmittel im Allgemeinen ablehnt, ist die Gefahr Gen-Soja in deutschen Supermärkten zu bekommen relativ gering (Aussage von Henrik Düker von foodwatch e.V.), in Asiamärkten hingegen entdeckte Greenpeace einige gentechnisch veränderte Produkte. – Genetisch verändertes Soja enthält unter anderen Bakterien welche die Struktur des Sojaeiweißes verändern. Diese Veränderung kann zu einer vermehrten Allergieneigung führen. Hinzu kommt, dass Gen-Soja stärker mit Pestiziden belastet ist, was weder für die Umwelt noch für unsere Gesundheit gut ist, da Pestizide unter anderen zu Krebserkrankungen führen können.

Doch was hat Soja denn nun über so viele Jahre zu einem solchen Superfood gemacht, wenn es doch so viele Nachteile zu haben scheint?

Obwohl die FDA, wie am Anfang des Artikels erwähnt, Soja als giftig eingestuft hat, sagt sie auch, dass 25g Sojaprotein pro Tag die Herzgesundheit fördern und für einen stabilen Herzschlag sorgen kann. Diese Menge entspricht etwa 300g Tofu oder 800ml Sojadrink. Hinzu kommt, dass Soja verdauungsfördern ist, die Blutfettwerte aktiv senkt und eine gute Eiweißquelle für alle Menschen, die sich ausschließlich oder zumindest überwiegend pflanzlich ernähren, ist.

Die am Anfang des Artikels erwähnten Phythoestrogene gehören zu den Isoflavonen. Diese haben bis zu einer bestimmten Menge (die leider nirgends eindeutig angegeben ist) in Kombination mit anderen natürlichen Bestandteilen der Nahrung viele positive Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Beispielsweise senken sie das Risiko an hormonell bedingten Krebserkrankungen zu leiden, sie schützen vor Infektionen, verbessern die Fließeigenschaft des Blutes, stärken allgemein die Widerstandskraft, senken den Cholesterinspiegel und Beeinflussen auf positive Weise den Blutdruck. Isoflavone werden beispielsweise auch als risikoarme Alternative zur Hormontherapie während der Wechseljahre eingesetzt. Häufig wird der Verzehr von Soja auch in Zusammenhang gebracht mit einer geringen Osteoporoserate und einem selteneren Vorkommen von Wechseljahrsbeschwerden in asiatischen Ländern. Was aber auch andere Gründe haben kann, welche in den sonstigen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten dieser Kulturen liegen könnte.

Doch welches Fazit lässt sich denn nun aus all diesem Wissen ziehen? Ist Soja nun ein Superfood oder doch eher ungesund oder gar giftig?

Ich denke, bei Soja trifft die von Paracelsus gewonnene Einsicht besonders zu: „Substanzen, die in geringen Konzentrationen zu positiven Ergebnissen führen, können in hohen Mengen Probleme verursachen“. Bis zu einer bestimmten Verzehrmenge ist es für Erwachsene gesundheitsfördern. Ab einer bestimmten Menge schlägt es ins Gegenteil um. Für Babys und Kleinkindern würde ich eher auf andere pflanzliche Alternativen zurückgreifen, zumindest wenn die Nahrung mehrmals täglich zugeführt werden soll.

Um das Risiko zu vermindern an genmanipuliertes Soja zu geraten, gilt: „Augen auf beim Sojakauf!“ – Bio-Soja ist nicht genmanipuliert, doch lässt sich eine hundertprozentige Sicherheit nicht erreichen, da die Samen der Pflanzen unter anderen durch die Luft transportiert werden. Wer die Möglichkeit hat, sollte regionales Soja kaufen. In Niederbayern im Landkreis Kelheim gibt es beispielsweise einen Bio-Bauern, der sein Soja selber anbaut und einmal wöchentlich frischen Tofu zubereitet. Generell empfehle ich, wie auch bei anderen Nahrungsmitteln, auf Fertig- und Halbfertigprodukte zu verzichten. Hier sind meist viele zusätzliche Stoffe enthalten, die nichts in einer gesunden Ernährung verloren haben.

Wer bei all den negativen Schlagzeilen oder aufgrund einer Unverträglichkeit beziehungsweise Allergie komplett auf Soja verzichten möchte, kann dies getrost tun. Um den Eiweißbedarf abzudecken braucht es nämlich weder Soja noch tierische Nahrungsmittel. Die meisten Nüsse und Samen, Hülsenfrüchte und auch jede Menge alter Getreidesorten liefern die für den Körper wichtigen Proteine. Eine genaue Auflistung inklusive ein paar Rezeptideen steht hier zum  Download bereit: Eiweißlieferanten, pflanzlich

Als Alternative zum Sojadrink eignen sich Drinks aus Nüssen und Getreidesorten. Diese gibt es inzwischen für jeden Geschmack. Sie sind aus Reis, Mandeln, Kokos, Hafer, Haselnuss, Dinkel sowie Macademia oder auch aus verschiedenen Mischungen unterschiedlicher Sorten. Für den Grill oder die Pfanne kann man sehr gut Seitan hernehmen, Lupine oder auch Produkte aus Erdmandeln. Die Auswahl ist riesig und schier unerschöpflich. Jeder gut sortierte Bio-Supermarkt verfügt hier über ein breites Sortiment und auch online gibt es inzwischen viele Lieferanten für sojafreie und vegane Produkte.

Eure:

Beatrice Schmidt, Ernährungsexpertin, Bloggerin und Fachbuchautorin von:

Vegan und Glutenfrei

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Ich stell dann mal um

Vegane Rezepte für jeden Geschmack

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Informationsquellen: Behavior 45 (2004) S. 278-284 / Proceedings oft he National Academy of Sciences oft he USA 99 (2002) S. 7616-21 / Human Reproduction 23 (2008) No. 11 S. 2584-2590 / Dementia an Geriatric Cognitive Disorders (2008) 26, S. 50-57 / Journal of the American College of Nutrition (2000) 19 Nr. 2, S. 242-255/ Foodwatch e.V. Berlin / Greenpeace

 

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Beatrice Schmidt ist zertifizierte Ernährungsberaterin mit Herzblut. Sie schreibt Fachartikel, Ratgeber und Kochbücher für die vegane und glutenfreie Küche.

Auf vielen Veggie-Messen kann man ihr beim Kochen auf den Showbühnen zu schauen und mit etwas Glück sogar mit machen.

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