Im Focus: Rügenwalder Mühle „Ersatzprodukte“

Mit der vegetarischen Produktreihe steigt Rügenwalder Mühle in einen Trend ein, der immer mehr zur Normalität wird.

Haben die ersten Vegetarier und Veganer sich noch dadurch von der breiten Masse abgehoben, weil sie bewusst ihre Nahrungsmittel eingekauft und in aller Regel frisch zubereitet haben, so gibt es heute immer mehr „Pudding-Veganer“. Das sind Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen auf tierische Produkte verzichten, aber hierbei überwiegend auf Fertig-und Halbfertigprodukte zurückgreifen. Diese Produkte sind im allgemeinen für Vegetarier und Veganer genauso wenig gut, wie für Mischköstler. Die Folge sind blässliche Gestalten, die mit einem permanenten Vitalsoffmangel durch die Weltgeschichte irren und dadurch das Bild vom Fehlernähren Veganer prägen 🙁

Ich rede hierbei jedoch nicht davon, dass man sich ab und an mal etwas gönnt, was vielleicht nicht ganz so gesund ist, sondern vom Dauerkonsum dieser Produkte. In Fertig- und Halbfertigprodukte sind häufig viel zu wenig Vitalstoffe, dafür aber viel zu viele künstliche oder synthetisch hergestellt Zusatzstoffe enthalten.

So gibt es inzwischen auch in diesem Food-Bereich jede Menge Konzerne, die auf diesen Zug aufspringen und auf Teufel komm raus vegetarische und vegane Produkte auf den Markt bringen. Frei nach dem Motto: „Egal, was drin ist, Hauptsache es ist vegan oder vegetarisch!“

In diesem Zusammenhang wurde ich darum gebeten mir einmal die neue vegetarische Produktpalette der Firma Rügenwalder Mühle anzuschauen. Das werde ich gerne tun. Wie auch in meinen anderen „Im Focus“ – Berichten, werde ich meine kurze Analyse farblich markieren. Als erstes sind die Inhaltsstoffe des Produktes aufgelistet und farblich markiert. Grün steht für 100% natürlichrot für synthetisch oder chemisch hergestellt, blau für tierische BestandteileLila für Zutaten die sowohl künstlich als auch natürlich sein können und gelb für alle Arten von Zucker. Im Anschluss an die Auflistung der Zutaten gebe ich mein persönliches Statement zu den Produkten.

Rügenwalder MühleVegetarischen Schinken Spicker Mortadella:

Zutaten: Eiklar (71%), Rapsöl (15%), Trinkwasser, Kochsalz, Gewürze, Verdickungsmittel: Johannesbrotkernmehl, Xanthan und Carrageen, Säureregulatoren: Kaliumlactat, Natriumacetate, natürliches Aroma, Traubenzucker, Farbstoffe: Carotin und Anthocyane.

Vegetarischen Schinken Spicker Schnittlauch:

Zutaten: Eiklar (71%)Rapsöl (15%), Schnittlauch (4%), TrinkwasserKochsalzGewürze, Verdickungsmittel: JohannesbrotkernmehlXanthan und Carrageen, Säureregulatoren: KaliumlactatNatriumacetatenatürliches AromaTraubenzucker, Farbstoffe: Carotin und Anthocyane.

Vegetarischen Schinken Spicker mit Paprika:

Zutaten: Eiklar (71%)Rapsöl (15%), Paprika (6%), TrinkwasserKochsalzGewürze, Verdickungsmittel: JohannesbrotkernmehlXanthan und Carrageen, Säureregulatoren: KaliumlactatNatriumacetatenatürliches AromaTraubenzucker, Farbstoffe: Carotin und Anthocyane.

Vegetarische Mühlen FrikadellenRügenwalder Mühle

Zutaten: Zwiebeln, EiklarRapsöl (12%), Vollei, Sojaproteinisolat (9%), Paprika (9%), Kartoffeln, Trinkwasser, Weizengluten, WeizenstärkeGewürze, Kochsalz, natürliches AromaTraubenzucker, modifizierte Stärke.

Mein persönliches Fazit

Im Rahmen der Produktanalyse, habe ich Kontakt mit der Firma „Rügenwalder Mühle“ aufgenommen. Dort wurden alle meine offenen Fragen beantwortet. Was dazu geführt hat, dass ich Zutaten, die erst nicht eindeutig zuzuordnen waren, entsprechend Kategorisieren konnte.

Wenn ich, die hier aufgelisteten Produkte, mit anderen „Ersatzprodukten“ vergleiche, fallen mir als erstes die übersichtlichen Zutatenlisten auf. Alle enthaltenden Stoffe werden im Heft „Was bedeuten die E-Nummern?“ (67. Auflage, herausgegeben von der Verbraucherzentrale) als unbedenklich eingestuft.

Der Zuckergehalt hält sich bei allen Sorten in Grenzen, was ich sehr gut finde. Was mich als Anhängerin der natürlichen Ernährung etwas traurig stimmt, sind die beiden synthetisch/chemisch hergestellten Zutaten (Natriumacetate und Carotin) in den Schinken Spickern. Dennoch war ich überrascht einen so hohen Anteil an natürlichen Bestandteilen in den Zutatenlisten zu entdecken. Wenn es diese Produkte noch in Bio-Qualität gäbe, wären sie nahezu perfekt.

Daher sehe ich, trotz der beiden nicht natürlichen Zutaten diese Produkte für Vegetarier und Mischköstler durchaus als Alternative zu echter Wurst. Nicht unbedingt zum dauerhaften und täglichen Verzehr, aber zumindest, um ab und an mal etwas wurstänliches auf den Tisch zu haben. Aufgrund der tierischen Bestandteile, sind die Produkte für Veganer leider ungeeignet 🙁

Ich bin gespannt, welche Produkte das Unternehmen in Zukunft noch alles entwickeln wird. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es folgender: Ich wünsche mir eine leckere vegane Wurstalternative ohne Getreideeiweiß (Gluten), mit Bio-Siegel und ausschließlich natürlichen Zutaten 🙂

Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Analyse wieder ein wenig helfen. Noch mehr Produktanalysen, findet Ihr in der „Im-Focus-Rubrik“ hier im Blog.

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Beatrice Schmidt ist zertifizierte Ernährungsberaterin mit Herzblut. Sie schreibt Fachartikel, Ratgeber und Kochbücher für die vegane und glutenfreie Küche.

Auf vielen Veggie-Messen kann man ihr beim Kochen auf den Showbühnen zu schauen und mit etwas Glück sogar mit machen.

Hier geht es zu ihren Büchern.
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6 Kommentare

  • Murat Soyoguz

    Warum wird Wurst und Speck nachgeahmt? Die vegetarische Küche hat es eigentlich nicht nötig. Wir müssen nicht eine ewige Wurstkultur betreiben, sondern immer mehr uns in der Weltgeschichte umschauen. Nur so merken wir, dass die Vegetarier auch ihre Weltanschauung ändern müssen. Bei einem vegetarischen Frühstück haben Fleischersatzprodukte nicht zu suchen. Man kaufe sich eine Getreidemühle und lossss geht es.

    • Über das Für und Wieder von Ersatzprodukten wird immer mal wieder diskutiert. Ich denke derlei Produkte sind für die Menschen interessant, die den Geschmack von tierischem zwar mögen, dennoch keine Fleisch und keine Wurst essen mögen. Ansonsten stimme ich der Aussage vollkommen zu, dass man sich unglaublich viele Sachen selber machen kann, die nicht nur deutlich gesünder sind sondern zu dem auch noch viel besser schmecken als jeglich Fertig- und Halbfertigprodukte.

  • Sehr gut recherchiert – für ab und zu echt lecker! Danke,

  • Kai

    Guten Tag,
    Warum würden Sie sagen, dass man die Produkte nicht täglich einnehmen sollte? Wir mögen diese Produkte sehr und sie haben einen grpßen Teil dazu beigetragen, dass wir endlich Vegetarier werden konnten. Was macht einen täglichen Verzehr unratsam?

    Vielen Dank!

    • vielen herzlichen Dank für Ihre Anfrage. Ich finde es sehr gut, dass Ihnen die Produkte dabei geholfen haben sich vegetarisch zu ernähren. Das ist ein toller Schritt in ein gesünderes Leben.

      Ich empfehle den Verzehr deshalb nicht täglich, weil die Produkte auf Basis von Hühnereiweiß sind und somit einen hohen Anteil an tierischen Bestandteilen hat. Ein hoher Konsum von Hühnereiweiß kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen, wie Herzkreislauferkrankungen und Übergewicht führen. Hinzu kommt, dass die verwendeten Eier nicht aus Bio-Haltung kommen und somit mit einer entsprechenden Dosis von Medikamentenrückständen belastet sein könnten.

      Nach meinem letzten Informationsstand bietet das Unternehmen (wie auch einige andere auch) inzwischen auch vegane Produkte an. Diese habe ich mir jedoch noch nicht genauer angesehen.

  • Folgende eMail habe ich bezüglich des aktuell erschienen Artikels erhalten.

    Sehr geehrte Frau Schmidt,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihre nette Antwort , Ihr Lob und auch dafür, dass Sie in Ihrer Beurteilung Informationen von mir aufgegriffen haben.

    Der Text liest sich wirklich sehr gut, ist kritisch aber objektiv.

    Zu Ihrer weiteren Information möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass wir uns für die Zukunft sehr wohl vorstellen können, auch vegane Produkte herzustellen. Wir arbeiten derzeit auch schon an Rezepturen. Aber einer unserer unumstößlichen Grundsätze ist es, dass unsere Produkte immer super lecker sein müssen. im Moment sind wir jedoch noch nicht mit dem Geschmack zufrieden und deshalb können wir derzeit nicht auf die Zutat „Ei“ verzichten.

    ABER: Wir haben sowieso schon von Anfang an keine Käfigeier sondern Eier aus Bodenhaltung eingesetzt, die zum allergrößten Teil deutsche Eier waren.
    Das Thema „Ei“ ist für alle unsere neuen vegetarischen und flexitarischen Kunden jedoch sehr wichtig gewesen, dass wir darum gebeten wurden, auf Freiland- oder Bioeier umzustellen. Deshalb haben wir uns sofort bemüht, von Bodenhaltungs- auf Freilandhaltungseier umzustellen. Dies ist uns auch bereits gelungen und unser Veggie-Schinken Spicker wird schon bereits seit der letzten Woche mit Eieiklar von Freilandhaltungseiern hergestellt. – Auch hier brauchen wir allerdings zunächst unsere Folienvorräte auf. Mit der nächsten Folienauflage wird auf den Etiketten dann aber ausgelobt, dass wir Eiklar von Freilandeiern verwenden.
    Für unsere Veggie-Frikadellen, die im Februar auf den Markt kommen, werden übrigens ebenfalls Eier aus Freilandhaltung verwendet.

    Bioeier zu verwenden ist leider nicht möglich, weil die von uns benötigte Rohwarenmenge nicht am Markt verfügbar ist. Denn nahezu alle, der 8,4 % der in Deutschland erzeugten Bioeier gehen in den Verkauf als Schalenei und nicht in die industrielle Verarbeitung. – Sie sehen, wir setzten uns mit allen relevanten Fragen und Problemstellungen auseinander und hören auch nicht auf, an den wenigen, noch vorhandenen Baustellen zu arbeiten.

    Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und viel Erfolg bei Ihrer Beratungstätigkeit.

    Mit freundlichen Grüßen aus der Rügenwalder Mühle

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