Kinderernährung – Nein, ich esse meine Suppe nicht

Wer Kinder hat, kennt diese Aussage nur zu gut. Manchmal variiert der Satz ein wenig und klingt dann so:

  • Nein, ich esse mein Gemüse nicht
  • Nein, ich esse mein Obst nicht
  • Nein, ich mag kein Salat
  • Karotten sind eklig
  • Iiiiiih, …..

Ratlosigkeit macht sich breit. Kinder brauchen doch Ihr Obst und Gemüse, damit sie groß und stark werden und schön gesund bleiben. Wir alle wissen, dass das wichtig ist und intuitiv wissen das auch unsere Kinder. Und dennoch steht dieser fürchterliche Satz im Raum: „Nein, ich esse meine Suppe nicht!“.

Manchmal reicht schon die bloße Erwähnung des Wortes Apfel um einen Ausdruck des Ekels auf das Gesicht eines vierjährigen zu zaubern oder der Vorschlag mal wieder eine Suppe zu Kochen ruft bei der zehnjährigen einen Brechreiz hervor. Was tun wir unseren Kindern nur an, dass wir sie dazu „zwingen“ dieses ekelhafte Zeug zu essen?

Können wir irgendetwas tun, um unseren Kindern all die vielen gesunden Sachen schmackhaft zu machen?

Sicher können wir das! – Und  das sogar mit ganz einfachen Mitteln. Ich habe hier nur sieben Punkte aufgeschrieben, die jedoch alle einander übergehen und sich gegenseitig ergänzen und unterstützen.

1. Gelassen bleiben

Kinder testen sich und ihre Grenzen aus. Das gilt auch beim Essen. Wenn die lieben Kleinen merken, der Mama und dem Papa ist es wichtig, dass sie Obst und Gemüse essen, ist das eine gute Gelegenheit auszutesten, wer das größere Durchhaltevermögen hat, über bessere Nerven verfügt und letztendlich seinen Willen durch setzten kann. Da wir aber, zum Glück, unseren Kindern das Essen nicht mit einem Trichter einfüllen können, werden wir einen solchen Kampf grundsätzlich verlieren. Das kostet Nerven auf beiden Seiten, meist fließen auch noch Tränen, es wird gestritten und im schlechtesten Fall geschrien. Ein Albtraum für alle Beteiligten. Kämpfe sind in der Familie ohnehin nicht gut und schon gar nicht am Essentisch. Stress ist ungut für die Verdauung und das Ziel, dass die Kleinen und Großen bereitwillig ihr „Grünzeug“ essen wird damit sicher auch nicht erreicht.

Besser ist es, keine große Nummer aus der „Vitamingeschichte“ zu machen. Was auf dem Tisch steht, kann gegessen werden, wer nichts mag, lässt es einfach bleiben.

2. Vorleben

Kinderernährung Ich stell dann mal umWir können von unseren Kindern nur etwas erwarten was wir selber tun. Wieso sollte ein Kind einen Apfel essen, wenn die Eltern daneben sitzen und nichts essen oder gar etwas ungesundes in sich hineinstopfen. Das Selbe gilt auch für das Thema Brot, warum um alles in der Welt sollten die Kleinen eine Scheibe Vollkornbrot essen wollen, wenn die Eltern Produkte aus weißem Mehl bevorzugen. Wenn ich möchte, dass mein Nachwuchs vitalstoffreiche Kost mag, muss ich es auch mögen. Auch hier gilt: „Kein großes Fass aufmachen, einfach tun.“ Wenn zwischendurch der kleine Hunger kommt, setzte ich mich einfach (mit meinen Kindern) an den Esstisch, schneide mir ein wenig Obst oder Gemüse auf, knacke ein paar Nüsse und fange an zu essen. Weil ich ein höflicher Mensch bin, frage ich die Kinder irgendwann, ob sie auch was mögen. Wenn ja, ist gut und wenn nicht, ist es auch nicht weiter schlimm. Im zweiten Fall, sage ich nur: „Immer schön an Punkt 1 denken“ 🙂

Sollte die eigene Ernährung noch nicht gesund und vollwertig sein, ist dies eine gute Gelegenheit für sich und die ganze Familie die Ernährung in eine vollwertige Kost umzustellen.

3. Süßigkeiten

Süßes gehört zum Leben. Daher mögen die meisten Kinder auch jegliche Form von Süßwaren und könnten diese zu jeder Tages- und Nachtzeit essen. Nur wissen wir alle, dass das wirklich ungesund ist. Neben dem Gesundheitsaspekt, kommt noch hinzu, dass der Appetit auf gesundes Essen geschmälert wird, je mehr Süßkram ein Mensch zu sich nimmt. Bei jüngeren Kindern ist es ratsam eine feste Tageszeit einzuführen, wann es etwas Süßes gibt. Mit älteren Kindern kann eine maximale Verzehrmenge vereinbart werden,  die dann gegessen werden kann, wenn die Kinder es mögen. Übrigens kann auch hier nur das gegessen werden, was im Angebot ist. Wer im eigenen Haus nur eine begrenzte Anzahl an ausgewählten Süßwaren hat, kann den Kindern auch nichts mehr anbieten.

4. Vertrauen

Kinder haben ein gutes Gefühl dafür was gut oder schlecht für sie ist, gerade im Bezug auf das Essen. Manchmal könnte sie über Tage hinweg sich nur von Nüssen ernähren oder Wochenlang nur (Vollkorn)Nudeln essen oder sie verzehren kiloweise Mandarinen und Orangen. Meist machen die Kids dann gerade einen Wachstums- oder Entwicklungsschub durch. An einer Überdosis Nüssen hat, sofern keine Allergie vorliegt, noch nie jemand Schaden genommen. Hier gilt: „Einfach machen lassen und den Kindern das gewünscht gesunde Essen zur Verfügung stellen.“

5. Entscheidungsfreiheit

Die Erwachsenen bestimmen was auf den Tisch kommt, die Kinder entscheiden was sie davon essen mögen. Da viele Kinder eine Abneigung gegen gekochte Nahrungsmittel haben, empfehle ich grundsätzlich zu jeder Mahlzeit einen Salat und/oder Rohkostteller auf den Tisch zu stellen. Werden tierische Nahrungsmittel angeboten, dann bitte nur in begrenzter Menge. Ist diese Menge aufgebraucht, gibt es nur noch die anderen Lebensmittel auf dem Tisch. Und keine Angst: Die Kinder werden nicht verhungern, wenn sie die Nahrungsaufnahme verweigern, weil nur „eklige“ Sachen auf dem Tisch stehen. Zwei Stunden später kann man sich ja noch mal hinsetzten und ein paar Nüsse knacken und frisches Obst verzehren 😉

Sind die Kinder schon groß genug, um sich selber etwas zu machen (ab ca. dem 7/8 Geburtstag herum), dürfen sie auch gerne aufstehen und sich ein ungezuckertes Müsli mit einem Sojajoghurt oder Getreidedrink machen. Da sind dann auch jede Menge Vital- und Ballaststoffe enthalten und wir Eltern müssen uns in keinster Weise „schlecht“ fühlen, weil das arme Kind schon wieder nichts zum Essen gefunden hat.

kinderernährung6. Einbinden

Ab dem Kindergartenalter entwickeln die meisten Kinder ein großes Interesse am Kochen. Daher ist es gut, die Gunst der Stunde auszunutzen, mit den Kindern zusammen Kochbücher zu wälzen oder das Internet zu durchsuchen und mit ihnen gemeinsam zu entscheiden, was es denn zu essen gibt. Schulkinder stehen, gerade am Wochenende, auch mal ganz gern mit Mama oder Papa in der Küche und kochen gemeinsam das Familienessen. Eine Garantie dafür, dass sie es dann auch mitessen, gibt es zwar nicht, aber die Chancen steigen deutlich an.

Abschließende Worte

Da ich nicht nur Ernährungsexpertin bin, sondern auch Mutter von 3 Kindern, weiß ich genau um die Herausforderungen des Alltags. Auch, wenn meine Kinder, berufsbedingt, etwas aufgeklärter sind als die meisten anderen gleichaltrigen, habe ich dennoch mit den selben Schwierigkeiten in Bezug auf das Essen zu kämpfen, wie alle anderen Menschen auch. Doch ist es deutlich einfacher und entspannter geworden, seid ich mich selber an die genannten Punkte halten 🙂

Eine kleine persönliche Anekdote möchte ich an dieser Stelle noch erzählen:

Als meine beiden Großen etwa 3 und 5 Jahre alt waren, meinten sie in die komplette Obst- und Gemüseverweigerung zu gehen. Es war fürchterlich für mich. Ich die Ernährungsberaterin konnte tun was ich wollte, die Jungs verweigerten jegliche Form von gesunden Sachen. Warum musste ausgerechnet mir das passieren?

Doch dann geschah folgendes: Wir hatten uns Besuch zum Essen eingeladen und ich stand bereits seit geraumer Zeit in der Küche um Vorbereitungen zu treffen, ich schnippelte Gemüse in allen möglichen Variationen und alle Nase nach, kam einer meiner Sprösslinge in die Küche, um zu naschen. Ich war, zugegebener Maßen, ein wenig gestresst, ob der vielen Vorbereitungen und schimpfte meine Kinder, weil sie ständig in die Schüssel mit dem vorbereitetem Gemüse langten und es sich in den Mund schoben. Dann hielt ich irgendwann inne und stellte fest, dass meinen Kindern es Spaß machte mich auf diese Weise zu „ärgern“. Von der Stunde an war es „verboten“ zu naschen und meine Kinder aßen mehr Obst und Gemüse, als ich es je zu hoffen gewagt haben. Inzwischen sind die beiden schon etwas größer und sie haben den Trick durchschaut, aber manchmal spielen wir noch immer dieses Spiel.

Vielleicht habt Ihr ja auch solche oder ähnliche Geschichten, wie Eure Kinder zu Obst- und Gemüsefans wurden? Dann schreibt sie einfach unterhalb des Beitrages als Kommentar, damit auch andere von Euren Erfahrungen profitieren.

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Beatrice Schmidt ist zertifizierte Ernährungsberaterin mit Herzblut. Sie schreibt Fachartikel, Ratgeber und Kochbücher für die vegane und glutenfreie Küche.

Auf vielen Veggie-Messen kann man ihr beim Kochen auf den Showbühnen zu schauen und mit etwas Glück sogar mit machen.

Hier geht es zu ihren Büchern.

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